Wie viel Futter braucht dein Hund? So findest du die richtige Menge.
Warum die Angabe auf der Packung nur ein Startwert ist, wie du mit dem Rippen-Test prüfst, ob dein Hund richtig gefüttert ist, und wie ihr ohne Stress abnehmt.

- Die Fütterungsempfehlung auf der Packung ist nur ein Startwert. Wie viel dein Hund wirklich braucht, zeigt sein Körper.
- Mit dem Rippen- und Taillen-Test prüfst du in einer Minute, ob dein Hund zu dünn, genau richtig oder zu schwer ist.
- Wiege das Futter ab, statt es mit dem Becher zu schätzen, und zieh Leckerli von der Tagesration ab. Schlanke Hunde leben in einer Langzeitstudie fast zwei Jahre länger.
Warum die richtige Menge so schwer zu treffen ist
Übergewicht ist bei Hunden keine Ausnahme. Laut einem Übersichtsartikel in der tierärztlichen Fachzeitschrift „Der Praktische Tierarzt“ sind in Deutschland bis zu 65 Prozent der Hunde und Katzen übergewichtig oder adipös. Als übergewichtig gilt ein Tier, das 10 bis 20 Prozent über seinem Idealgewicht liegt. Ab 20 Prozent spricht man von Adipositas.
Das liegt selten an Unwissen, sondern an ganz alltäglichen Dingen:
- Der Messbecher täuscht. Wer Trockenfutter mit dem Becher oder nach Augenmaß abmisst, liegt laut einer Studie bis zu 28 Prozent neben der gewogenen Menge.
- Leckerli laufen nebenher. Kauartikel, Trainingshäppchen und Reste vom Tisch werden oft nicht von der Tagesration abgezogen.
- Der Bedarf ändert sich. Nach einer Kastration sinkt der Energiebedarf laut Fachartikel um etwa 20 bis 30 Prozent. Auch Alter, Bewegung und Jahreszeit spielen mit.
- Der Blick gewöhnt sich. In Umfragen schätzten viele Halter übergewichtiger Hunde deren Figur ein bis zwei Stufen besser ein, als sie war.
Die Angabe auf der Packung ist ein Durchschnittswert für einen „typischen“ Hund. Dein Hund ist aber nicht typisch. Er hat sein eigenes Temperament, seinen eigenen Alltag und seinen eigenen Stoffwechsel.
Warum sich schlank lohnt
Eine der bekanntesten Langzeitstudien zur Hundeernährung hat 48 Labrador Retriever ihr Leben lang begleitet. Die Hälfte bekam 25 Prozent weniger Futter als ihr Geschwister-Partner. Die schlankeren Hunde lebten im Mittel 13,0 Jahre, die normal gefütterten 11,2 Jahre, also rund 1,8 Jahre länger. Chronische Erkrankungen, besonders Arthrose, traten bei ihnen später auf. Übergewicht hängt außerdem mit Gelenkproblemen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schlechterer Hitzeverträglichkeit zusammen.
Nimmt dein Hund zu oder ab, ohne dass sich an Futter oder Bewegung etwas geändert hat, frisst er plötzlich viel mehr oder weniger oder trinkt er auffällig viel, lass ihn tierärztlich untersuchen. Dahinter können Erkrankungen stecken.
Bevor du startest
- Eine digitale Küchenwaage. Sie ist das genaueste Werkzeug, um Futter abzumessen, genauer als jeder Becher.
- Eine Tagesdose. Morgens die ganze Tagesration abwiegen, Leckerli fürs Training daraus nehmen. So bleibt die Menge gleich.
- Das aktuelle Gewicht deines Hundes. Viele Tierarztpraxen lassen dich die Waage im Wartezimmer nutzen. Kleine Hunde kannst du zu Hause mit dir zusammen wiegen und dein Gewicht abziehen.
- Einen Kalender oder eine Notiz-App, um Gewicht und Körperkondition alle zwei bis vier Wochen festzuhalten.
- Futterspielzeug, damit auch eine kleinere Portion länger beschäftigt.
Für die richtige Futtermenge empfehlen wir dir diese Helfer.

Die richtige Menge in fünf Schritten
Die Weltvereinigung der Kleintiertierärzte (WSAVA) empfiehlt, bei jedem Tierarztbesuch die Körperkondition zu beurteilen, also wie viel Fettreserven ein Hund hat. Genau das kannst du auch zu Hause tun. Der folgende Ablauf ist unser Vorschlag, wie du daraus die passende Menge für deinen Hund ableitest.
- 1
Die Figur prüfen
Die WSAVA nutzt eine Skala von 1 bis 9. Ideal sind 4 bis 5. Du prüfst drei Dinge:
- Rippen: Streich mit flachen Händen über den Brustkorb. Die Rippen sollten sich gut fühlen lassen, mit einer dünnen Fettschicht darüber.
- Taille: Von oben betrachtet ist hinter den Rippen eine Taille zu sehen.
- Bauch: Von der Seite betrachtet ist der Bauch leicht hochgezogen.
Spürst du die Rippen nur mit Druck oder gar nicht und fehlt die Taille, ist dein Hund zu schwer. Stehen Rippen, Wirbel und Beckenknochen deutlich hervor, ist er zu dünn.
du weißt, wo dein Hund auf der Skala steht - 2
Den Startwert festlegen
Nimm die Fütterungsempfehlung auf der Packung für das Idealgewicht deines Hundes, nicht für sein aktuelles Gewicht. Die WSAVA stellt Tabellen bereit, die ausdrücklich nur als Startpunkt für den Energiebedarf gedacht sind. Hast du Fragen zum Idealgewicht, hilft deine Praxis.
du eine konkrete Grammzahl pro Tag hast - 3
Abwiegen statt schätzen
Wiege die Tagesration ab und teile sie auf die Mahlzeiten auf. Alles, was dein Hund zusätzlich bekommt, zählt mit: Leckerli, Kauartikel, Reste. Am einfachsten nimmst du Trainingsbelohnungen direkt aus der Tagesration.
die Menge jeden Tag gleich ist und alle in der Familie mitmachen - 4
Beobachten und nachjustieren
Wiege deinen Hund alle zwei bis vier Wochen und prüf die Figur wie in Schritt 1. Nimmt er zu, reduzier die Menge leicht. Wird er zu dünn, gib etwas mehr. Ändere immer nur in kleinen Schritten.
sein Gewicht über mehrere Wochen stabil bleibt und die Figur passt - 5
Anpassen, wenn sich etwas ändert
Nach einer Kastration, im Alter, bei weniger Bewegung im Winter oder nach einem Futterwechsel ändert sich der Bedarf. Dann fängst du wieder bei Schritt 1 an.
du bei jeder Veränderung kurz Figur und Gewicht prüfst
Ernährung sollte bei jedem Tier individuell geplant und bei jedem Tierarztbesuch überprüft werden.
Sinngemäß nach den Ernährungsleitlinien der WSAVA
Mach aus weniger Futter mehr Erlebnis. Verteil einen Teil der Ration im Futterspielzeug, in einer Schnüffeldecke oder streu ihn im Garten aus. So dauert die Mahlzeit länger, und dein Hund hat etwas zu tun, auch wenn die Portion kleiner wird.
- dein Hund schneller abnimmt als geplant,
- er schlapp, gereizt oder auffällig hungrig wirkt,
- er sein Futter plötzlich stehen lässt.
Dann sprich mit deiner Praxis, bevor du weiter reduzierst.
VermeidenDie häufigsten Fehler
Becher und Augenmaß können laut Studie bis zu 28 Prozent danebenliegen. Die Waage ist genauer.
Kauartikel und Trainingshäppchen haben Kalorien. Zieh sie von der Tagesration ab.
Ist dein Hund zu schwer, fütterst du mit der Angabe für sein jetziges Gewicht zu viel.
Wer die normale Ration stark kürzt, riskiert, dass Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe fehlen. Bei deutlichem Übergewicht gehört der Plan in die Praxis.
Ein muskulöser Hund kann mehr wiegen und trotzdem schlank sein. Die Figur zeigt mehr als die Zahl.
Der Energiebedarf sinkt danach deutlich. Prüf Figur und Gewicht in den Wochen danach besonders aufmerksam.
Einordnung: Wie schnell darf ein Hund abnehmen?
Langsam. Der Fachartikel im „Praktischen Tierarzt“ nennt als Ziel 0,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche. Für einen Hund mit 20 Kilo sind das etwa 100 bis 400 Gramm pro Woche. Wichtig ist dabei, dass dein Hund weiterhin genug Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe bekommt. Deshalb raten Fachleute davon ab, einfach die normale Ration stark zu kürzen. Bei deutlichem Übergewicht erstellt die Tierarztpraxis einen Plan, oft mit einem speziellen Diätfutter.
Leichtes Übergewicht
- Leckerli konsequent mitrechnen
- Ration leicht anpassen
- Bewegung und Beschäftigung ausbauen
Deutliches Übergewicht
- Abnehmplan mit der Tierarztpraxis
- Nährstoffversorgung sicherstellen
- regelmäßige Kontrolltermine
Sonderfälle
Welpen und Junghunde
Welpen haben einen ganz anderen Bedarf als erwachsene Hunde, und die Fütterungstabellen für Erwachsene passen für sie nicht. Lass dich bei der Welpenfütterung von deiner Praxis begleiten.
Kastrierte Hunde
Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf um etwa 20 bis 30 Prozent. Viele Hunde nehmen in dieser Zeit unbemerkt zu. Prüf die Figur in den ersten Monaten danach alle zwei Wochen.
Ältere Hunde
Mit dem Alter verändert sich der Bedarf, und Muskeln können abnehmen. Die WSAVA hat dafür eine eigene Skala zur Muskelkondition. Frag bei älteren Hunden in der Praxis danach.
Sehr aktive Hunde
Arbeitende oder sportliche Hunde brauchen oft deutlich mehr, als auf der Packung steht. Auch hier gilt: Die Figur entscheidet.





Wann du dir Hilfe holen solltest
Hol dir Unterstützung in der Tierarztpraxis, wenn dein Hund deutlich zu schwer oder zu dünn ist, trotz angepasster Menge nicht abnimmt, sich Gewicht oder Appetit ohne erkennbaren Grund verändern oder er Vorerkrankungen hat. Viele Praxen bieten eigene Abnehmsprechstunden an. Für ganz individuelle Rationen gibt es tierärztliche Ernährungsberatung, zum Beispiel an tiermedizinischen Hochschulen.
Häufige Fragen
Wie oft am Tag sollte ich meinen Hund füttern?
Erwachsene Hunde bekommen meist ein bis zwei Mahlzeiten, Welpen mehr. Wichtiger als die Anzahl ist, dass die gesamte Tagesmenge stimmt.
Die Menge auf der Packung ist mir zu viel. Darf ich weniger geben?
Ja. Die Angabe ist ein Startwert. Passt die Figur deines Hundes, ist die Menge richtig, auch wenn sie unter der Empfehlung liegt.
Wie erkenne ich, ob mein Hund zu dick ist?
Wenn du die Rippen nur mit Druck oder gar nicht spürst, keine Taille siehst und der Bauch nicht hochgezogen ist, ist er zu schwer.
Zählen Kauartikel und Leckerli mit?
Ja. Alles, was dein Hund frisst, hat Kalorien. Zieh es von der Tagesration ab.
Wie schnell sollte mein Hund abnehmen?
Langsam, etwa 0,5 bis 2 Prozent seines Körpergewichts pro Woche. Bei deutlichem Übergewicht mit einem Plan aus der Praxis.
Quellen
Alle Quellen anzeigen
- WSAVA: Global Nutrition Guidelines (Körperkonditions-, Muskelkonditions- und Kalorien-Tabellen). wsava.org
- WSAVA: Body Condition Score – Dog (PDF). wsava.org
- vetline.de / Der Praktische Tierarzt (2023): Adipositas bei Hund und Katze – ein unterschätztes Tierschutzproblem. vetline.de
- Kealy, R. D. et al. (2002): Effects of diet restriction on life span and age-related changes in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association 220(9). avmajournals.avma.org
- Lawler, D. F. et al. (2008): Diet restriction and ageing in the dog – major observations over two decades. British Journal of Nutrition 99(4). cambridge.org
- German, A. J. et al. (2011): Imprecision when using measuring cups to weigh out extruded dry kibbled food. Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition. wiley.com
- Coe, J. B. et al. (2019): Dog owner’s accuracy measuring different volumes of dry dog food using three different measuring devices. Veterinary Record. wiley.com
- AAHA (2021): Nutrition and Weight Management Guidelines for Dogs and Cats. aaha.org