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Dein Hund zieht an der Leine? So wird daraus entspanntes Gehen.

Warum Ziehen sich für deinen Hund lohnt, was die Forschung über Halsband und Geschirr weiß und wie du lockeres Gehen in fünf Stufen aufbaust.

Von der Rudelrat-Redaktion 9 Min. Lesezeit Erschienen am
Mensch geht mit Hund an lockerer Leine durch ein weites Feld, von hinten gesehen
Kurz & knapp
  • Dein Hund zieht, weil es funktioniert: Jeder Schritt nach vorn bei gespannter Leine belohnt das Ziehen.
  • Die Lösung hat zwei Teile. Ziehen bringt ihn nie ans Ziel, und lockere Leine an deiner Seite lohnt sich oft.
  • Plane mehrere Monate ein. Ein Geschirr schont den Hals, ersetzt aber kein Training.

Warum dein Hund zieht

Aus Sicht deines Hundes ist Ziehen eine ziemlich clevere Strategie. Er lehnt sich in die Leine, du gehst mit, und er kommt schneller zur spannenden Hecke, zum anderen Hund oder zur Wiese. Genau so entsteht das Problem: Das Ziehen wird bei fast jedem Spaziergang belohnt und dadurch zur Gewohnheit.

Dazu kommt, dass Hunde von Natur aus schneller unterwegs sind als wir. Tierärztliche Verhaltensmediziner weisen außerdem darauf hin, dass Gehen an lockerer Leine nicht angeboren ist. Viele Hunde lehnen sich gegen den Druck am Halsband, statt ihm nachzugeben. Aufregung, spannende Gerüche und ein Mensch, der mal nachgibt und mal nicht, machen es zusätzlich schwer.

Mit Dominanz oder Rangordnung hat Leinenziehen nichts zu tun. Fachquellen erklären es übereinstimmend damit, wie Hunde lernen. Das ist eine gute Nachricht, denn Gelerntes lässt sich umlernen.

Wichtig

Läuft dein Hund plötzlich anders, bleibt häufig stehen oder will nicht mehr gehen, lass ihn zuerst tierärztlich untersuchen. Schmerzen sind kein Trainingsproblem.

Bevor du startest

Du brauchst nicht viel. Aber die richtige Ausrüstung macht das Training deutlich leichter.

  • Eine feste Führleine von etwa 1,8 bis 3 Metern. Eine Flexileine ist im Training ungeeignet, weil sie bei Zug nachgibt und damit genau das Ziehen belohnt.
  • Ein gut sitzendes Brustgeschirr in Y- oder H-Form, das die Schultern frei lässt. Ideal sind zwei Ringe, vorne und am Rücken.
  • Sehr kleine, besonders leckere Belohnungen, etwa so groß wie eine Erbse, und einen Futterbeutel, damit du schnell belohnen kannst.
  • Ein Markerwort wie „Fein!“ oder einen Clicker. Damit sagst du deinem Hund genau in dem Moment, in dem die Leine locker ist: Das war richtig.

Und noch etwas: Der Übungsspaziergang sollte nicht der einzige Auslauf des Tages sein. Freilauf oder eine Schleppleine zum Erkunden nehmen viel Druck raus.

Unsere Empfehlungen · Anzeige

Für ein entspanntes Leinentraining empfehlen wir dir diese Ausrüstung.

Y-Geschirr mit zwei RingenSchulter frei, ausbruchsicher
Feste Führleine, 2 mflach, nicht elastisch
Futterbeutelmit einer Hand zu öffnen
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Hund sitzt neben den Beinen seines Menschen und schaut zu ihm hoch

Der Plan in fünf Stufen

Alle seriösen Quellen setzen auf dieselben zwei Bausteine: Ziehen führt nie weiter, und lockeres Gehen wird oft und direkt an deiner Seite belohnt. Der folgende Plan ordnet die Übungen in eine sinnvolle Reihenfolge. Geh erst zur nächsten Stufe, wenn die aktuelle sitzt.

  1. 1

    Nähe lohnt sich

    Drinnen oder im Garten, ohne Ablenkung. Steht oder sitzt dein Hund neben dir, belohnst du ihn direkt an deinem Bein oder leicht dahinter. So lernt er, wo es sich lohnt zu sein.

    Schau, ob er dich anschaut. Jeder Blick zu dir wird markiert und belohnt. Eine schöne Übung dazu: Wirf ein Leckerli einen Meter vor dich. Kommt er zurück an deine Seite, markierst du und belohnst am Bein.

    er drinnen zuverlässig bei dir bleibt und dir von selbst Blicke schenkt
  2. 2

    Erste Schritte in Bewegung

    Geh los. Holt dein Hund auf und ist an deiner Seite, markierst du und belohnst. Am Anfang sehr oft, ruhig alle zwei bis drei Sekunden. Die Abstände vergrößerst du langsam.

    Führ ein Signal wie „Komm mit“ ein und nutze immer dasselbe. Wechsle freundlich die Richtung, kündige es an und belohne das Mitgehen. Ohne Ruck.

    er mehrere Schritte am Stück mit lockerer Leine neben dir geht
  3. 3

    Ziehen stoppt, lockere Leine geht weiter

    Jetzt auf einer ruhigen Straße. Spannt sich die Leine, bleibst du stehen. Ruhig, ohne Kommando, ohne Ruck. Sobald die Leine wieder locker ist, geht es weiter, und du belohnst.

    Noch besser: Reagiere schon, bevor die Leine spannt. Entfernt sich dein Hund zu weit, bleib stehen und warte, bis er sich zu dir orientiert.

    die Leine auf einer bekannten, ruhigen Strecke meistens locker ist
  4. 4

    Ablenkung dosiert steigern

    Steigere die Ablenkung langsam und im Tempo deines Hundes. Wird es zu viel, vergrößere den Abstand und fang dort neu an.

    Der stärkste Trick: Mach die Umwelt zur Belohnung. Will dein Hund zur Schnüffelstelle, geht es nur mit lockerer Leine dorthin. Ist sie locker, sagst du „Lauf schnüffeln“ und gehst mit.

    er auch bei mittlerer Ablenkung ansprechbar bleibt und Futter nimmt
  5. 5

    Alltag und Festigung

    Jetzt belohnst du unregelmäßiger, aber nie gar nicht mehr. Wichtig ist, dass du bei jedem Spaziergang gleich reagierst. Rechne damit, dass Spaziergänge in dieser Phase länger dauern.

    das Gehen an lockerer Leine euer normaler Spaziergang geworden ist

Lockeres Gehen an der Leine gehört zu den schwierigsten Dingen, die wir Hunden beibringen. Die meisten brauchen mehrere Monate.

Sinngemäß nach tierärztlichen Verhaltensmedizinern der VCA Animal Hospitals
Tipp

Wie lange pro Einheit? Für Welpen empfehlen Tierärzte Einheiten von wenigen Minuten, mehrmals am Tag. Für erwachsene Hunde gibt es keine feste Vorgabe aus der Forschung. Unser Richtwert: drei bis fünf Minuten, zwei- bis fünfmal täglich. Lieber kurz und erfolgreich als lang und frustrierend.

Pause machen, wenn …
  • dein Hund sich die Lippen leckt, gähnt, die Rute einklemmt oder sich duckt,
  • er die Beine einstemmt oder zurückweicht,
  • er kein Futter mehr nimmt und nicht mehr ansprechbar ist,
  • du selbst merkst, dass du ungeduldig wirst.

Dann geh einen Schritt zurück und beende die Einheit mit einer leichten Übung.

VermeidenDie häufigsten Fehler

„Nur heute mal“ weitergehen

Jedes Mal, wenn Ziehen doch zum Ziel führt, lernt dein Hund: Es lohnt sich.

Nur stehen bleiben

Dein Hund lernt dann zurückzukommen, aber nicht, locker neben dir zu gehen. Ohne Belohnung an deiner Seite fehlt die Hälfte.

Leinenruck

Fachgesellschaften raten ausdrücklich davon ab. Aversive Methoden hängen mit mehr Stress und Angst zusammen.

Flexileine im Training

Sie gibt bei Zug nach und belohnt damit das Ziehen.

Zu viel, zu früh

Wer direkt im Park übt, wo andere Hunde spielen, überfordert seinen Hund. Ablenkung kommt erst in Stufe 4.

Mal so, mal so

Widersprüchliche Regeln verlängern das Lernen. Alle, die mit deinem Hund gehen, sollten gleich reagieren.

Halsband oder Geschirr? Was die Forschung sagt

Die kurze Antwort: Das Geschirr ist gesünder, verhindert Ziehen aber nicht. Die längere steht hier.

Halsband

  • Beim Ziehen wirken messbare Kräfte auf den Hals.
  • Druck über das Halsband erhöht den Augeninnendruck.
  • Für Hunde mit Augen-, Hals- oder Atemwegsproblemen ungeeignet.

Brustgeschirr

  • Kein Anstieg des Augeninnendrucks.
  • Aber: In einer Studie mit 28 Hunden zogen sie am Rückengeschirr sogar kräftiger als am Halsband.
  • Muss die Schultern frei lassen.

Und Anti-Zug-Geschirre? Ein Geschirr mit Ring vorn an der Brust hat das Ziehen in einer Studie mit Tierheimhunden verringert. Britische Tierschützer warnen aber vor schnellen Lösungen, die über Unbehagen wirken, und manche Modelle schränken die Schulter ein. Nutze sie höchstens als Ergänzung zum Training. Kopfhalfter gehören nur mit fachlicher Anleitung und langer Gewöhnung an den Hund.

Rechtslage in Deutschland

Seit dem 1. Januar 2022 ist es nach der Tierschutz-Hundeverordnung verboten, bei Ausbildung, Erziehung und Training Stachelhalsbänder oder andere für Hunde schmerzhafte Mittel zu verwenden.

Welpe, Tierschutzhund & Co.

Welpen

Du kannst sofort anfangen. Welpen lernen ständig. Halte die Einheiten kurz, nur wenige Minuten, dafür mehrmals am Tag, und arbeite ausschließlich mit Belohnung. Gewöhne deinen Welpen erst ohne Leine an Geschirr oder Halsband, mit Futter oder Spiel.

Tierschutzhunde und ängstliche Hunde

Viele Hunde aus dem Tierschutz kennen keine Leine. Bei ihnen kann schon der Zug an der Leine Angst auslösen. Fang drinnen an, halte die Spannung minimal und baue zuerst ein Signal auf, mit dem dein Hund zu dir kommt. Ein ausbruchsicheres, gut sitzendes Geschirr ist hier besonders wichtig.

Kleine und kurzköpfige Hunde

Hunde mit Augen-, Hals- oder Atemwegsproblemen führst du besser am Geschirr. Und unterschätze kleine Hunde nicht: In der erwähnten Studie zogen sie im Verhältnis zu ihrem Gewicht besonders stark.

Hund sitzt im Park und schaut erwartungsvoll zum Leckerli hoch
Hund schnüffelt an lockerer Leine im Gras
Hund mit Brustgeschirr an der Leine auf dem Gehweg
Hund läuft an lockerer Leine neben seinem Menschen
Hand hält die Leine locker, der Hund geht daneben

Wann du dir Hilfe holen solltest

  • Dein Hund bellt, springt oder knurrt an der Leine, zum Beispiel bei anderen Hunden.
  • Das Ziehen bleibt trotz konsequentem Training.
  • Spaziergänge sind für dich stressig oder gefährlich.

Such dir dann eine Trainerin oder einen Trainer, der ausschließlich belohnungsbasiert arbeitet. Und bei Schmerzen oder plötzlichen Veränderungen gilt immer: zuerst zum Tierarzt.

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Wenn du nicht allein üben möchtest, können diese Angebote helfen.

Hundeschule vor Ortbelohnungsbasiert, mit Einzelstunden
Online-Kurs LeinenführigkeitSchritt für Schritt per Video
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Platzhalter: Anita setzt hier nach Freigabe passende Partner ein. Nur Anbieter, die belohnungsbasiert arbeiten.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis mein Hund locker an der Leine läuft?

Tierärztliche Verhaltensmediziner rechnen bei den meisten Hunden mit mehreren Monaten regelmäßigen Übens. Versprechen von „wenigen Minuten“ sind unrealistisch.

Geschirr oder Halsband: Was ist besser gegen Ziehen?

Gegen das Ziehen hilft keins von beiden, sondern nur Training. Für die Gesundheit ist ein gut sitzendes Geschirr die bessere Wahl.

Warum bringt Stehenbleiben bei uns nichts?

Stehenbleiben zeigt deinem Hund nur, was nicht klappt. Kombiniere es immer mit häufiger Belohnung an deiner Seite, dann weiß er, was sich lohnt.

Mein Hund zieht nur, wenn er andere Hunde sieht. Was tun?

Vergrößere den Abstand so weit, dass er noch ansprechbar ist, und übe dort. Bellt, springt oder knurrt er, hol dir fachliche Hilfe.

Darf ich die Flexileine benutzen?

Nicht beim Leinentraining. Zum Erkunden ohne Training ist eine Schleppleine die bessere Alternative.

Ab wann kann ich mit meinem Welpen üben?

Sofort. In Einheiten von wenigen Minuten, mehrmals täglich und nur mit Belohnung.

Quellen

Alle Quellen anzeigen
  1. AVSAB: Position Statement on Humane Dog Training (2021). avsab.org
  2. Vieira de Castro et al. (2020): Does training method matter? PLOS ONE. journals.plos.org
  3. Hunter, Blake, Ferro De Godoy (2019): Pressure and force on the canine neck when exercised using a collar and leash. sciencedirect.com
  4. Pauli et al. (2006): Effects of neck pressure by a collar or harness on intraocular pressure in dogs. JAAHA. researchgate.net
  5. Bailey et al. (2025): An investigation of force potential against the companion dog neck associated with collar use. sciencedirect.com
  6. Johnson, Wynne (2024): Comparing efficacy in reducing pulling and welfare impacts of four types of leash walking equipment. PeerJ. peerj.com
  7. VCA Animal Hospitals: Controlling Pulling on Walks; Puppy Training Basics. vcahospitals.com
  8. VCA Animal Hospitals: Collar and Harness Options for Dogs; Head Halter Training. vcahospitals.com
  9. Dogs Trust: Pulling on lead and how to help. dogstrust.org.uk
  10. Dogs Trust: Walking nicely training. dogstrust.org.uk
  11. RSPCA: Train your dog to stop pulling on the lead. rspca.org.uk
  12. Karen Pryor Clicker Training: How to Teach Loose-Leash Walking. clickertraining.com
  13. vetline.de: Die neue Tierschutz-Hundeverordnung (2023). vetline.de